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Frankreich: Mbappé warnt vor rechtem Präsidenten – Le Pen reagiert zynisch

May 20, 2026  Twila Rosenbaum  3 views
Frankreich: Mbappé warnt vor rechtem Präsidenten – Le Pen reagiert zynisch

Die Umfragen im Nachbarland verheißen nichts Gutes. Im kommenden Jahr wählt Frankreich ein neues Oberhaupt, und Umfragen zufolge gibt es einen großen Favoriten auf das Amt des Präsidenten: den Kandidaten des rechten Rassemblement National (RN). Die Aussicht auf einen rechtsradikalen Präsidenten bestürzt auch einige aus Frankreichs Fußballszene, allen voran Superstar Kylian Mbappé.

In einem Interview mit „Vanity Fair“ sagte Mbappé: „Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen.“ Der Stürmer, der Paris Saint-Germain 2024 verlassen hatte, um für Real Madrid zu spielen, zeigt sich damit politisch engagiert. Mbappé ist bekannt dafür, sich auch abseits des Platzes für gesellschaftliche Themen einzusetzen, etwa gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit.

Seine Aussagen kamen in der Parteiführung des RN alles andere als gut an. Der Vorsitzende Jordan Bardella, ein junges Gesicht der rechten Szene, reagierte prompt und mit beißender Ironie auf die Einlassungen des Nationalstürmers. „Ich weiß, was passiert, wenn Kylian Mbappé PSG verlässt: Der Verein gewinnt die Champions League! (Und vielleicht bald ein zweites Mal)“, schrieb Bardella in den sozialen Medien. Damit nahm er Bezug auf den Triumph von PSG in der Fußball-Königsklasse im Jahr 2025, als der Verein ohne Mbappé den begehrten europäischen Titel holte. Tatsächlich erreichte PSG auch in der Saison 2025/26 das Champions-League-Finale, wo sie am 30. Mai in Budapest auf den FC Arsenal trafen und als Favorit galten.

Die Parteipatriarchin des RN, Marine Le Pen, die bereits mehrfach für das Präsidentenamt kandidierte, äußerte sich ebenfalls zynisch. Gegenüber dem Radiosender RTL sagte sie: „Es ist beruhigend, dass Mbappé nicht will, dass unsere Partei gewinnt.“ Sie fügte hinzu: „Seine eigene Strategie, PSG zu verlassen, um bei Real Madrid zu gewinnen, hat nicht funktioniert. Ehrlich gesagt glaube ich, dass Fußballfans unabhängig genug sind, um zu wissen, wen sie wählen sollen, ohne sich von Mbappé beeinflussen zu lassen.“ Le Pen, die ihre Partei von extremen Positionen in die Mitte rücken will, ist eine erfahrene Politikerin, die bei den Präsidentschaftswahlen 2022 immerhin über 41 Prozent der Stimmen erhielt.

Hintergrund: Die politische Lage in Frankreich

Frankreich steht vor einer richtungsweisenden Präsidentschaftswahl 2027. Der amtierende Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren, was das Feld für neue Kandidaten öffnet. Der Rassemblement National unter Marine Le Pen und Jordan Bardella hat sich als stärkste Oppositionskraft etabliert. Umfragen zeigen, dass ein Kandidat des RN gute Chancen hat, in die Stichwahl einzuziehen und möglicherweise zu gewinnen. Die Partei, die früher als Front National bekannt war und von Jean-Marie Le Pen gegründet wurde, hat sich unter Marine Le Pen von offen rassistischen und antisemitischen Positionen entfernt, bleibt aber in der Migrations- und Innenpolitik extrem restriktiv. Wirtschaftlich setzt der RN auf Protektionismus und soziale Wohltaten, was besonders bei ärmeren Wählern ankommt.

Die Warnungen von Kylian Mbappé sind vor diesem Hintergrund mehr als nur die Meinung eines Sportstars. Mbappé genießt in Frankreich enormes Ansehen, vor allem bei jungen Menschen. Er ist nicht nur ein Ausnahmekönner auf dem Fußballplatz, sondern auch ein Vorbild für viele. Sein politisches Statement könnte daher durchaus Einfluss auf die Meinungsbildung haben – auch wenn Le Pen und Bardella dies herunterspielen. Mbappé ist bekannt für sein soziales Engagement. Er hat mehrfach gegen Rassismus und Diskriminierung Stellung bezogen und engagiert sich für Kinder in Not. Nach der Europameisterschaft 2024, bei der Frankreich im Halbfinale ausschied, spendete Mbappé einen Teil seiner Prämie für wohltätige Zwecke.

Mbappés Karriere: Von Monaco zu Real Madrid

Der gebürtige Pariser started seine Karriere bei der AS Monaco, wo er als Teenager zum Star wurde und 2017 die französische Meisterschaft gewann. Anschließend wechselte er zu Paris Saint-Germain, wo er in sieben Jahren über 250 Tore erzielte und zahlreiche nationale Titel holte. Trotz aller individuellen Erfolge blieb der ersehnte Champions-League-Titel mit PSG aus. 2024 wechselte Mbappé ablösefrei zu Real Madrid, dem Rekordgewinner der Königsklasse. In seiner ersten Saison in Madrid gewann er die spanische Meisterschaft, scheiterte aber im Champions-League-Viertelfinale. Währenddessen triumphierte PSG ohne ihn in der Champions League – eine Ironie, die Bardella nun zynisch aufgriff. Mbappé, der als Kapitän der französischen Nationalmannschaft bei der WM 2022 mit einem Hattrick im Finale für Furore sorgte, ist zweifellos einer der besten Fußballer der Welt. Sein Wort hat Gewicht, auch in politischen Debatten.

Reaktionen aus der Fußballszene und Politik

Mbappé ist nicht der einzige Sportler, der sich politisch äußert. In Frankreich haben sich in der Vergangenheit schon mehrere Fußballer gegen den RN positioniert, etwa Antoine Griezmann oder der ehemalige Nationalspieler Lilian Thuram. Auch andere Prominente wie der Schauspieler Omar Sy oder der Rapper Soprano haben vor einem Rechtsruck gewarnt. Die Reaktionen auf Mbappés Aussagen sind gemischt. Während viele Fans seine Zivilcourage loben, kritisieren andere, dass Sportler sich aus der Politik heraushalten sollten. Bardellas Spott zeigt, dass der RN versucht, die Kritik ins Lächerliche zu ziehen und sich als Partei des „gesunden Menschenverstandes“ zu präsentieren.

Unterdessen bleibt unklar, wer bei der Wahl 2027 für den RN antreten wird. Bardella, der erst 29 Jahre alt ist, gilt als möglicher Kandidat, der jüngere Wähler ansprechen soll. Marine Le Pen hingegen ist die erfahrene Führungsfigur, aber möglicherweise belastet durch ihre drei verlorenen Präsidentschaftswahlen. Die Partei wird intern über die Kandidatur entscheiden. Mbappés Warnung könnte in diesen Prozess hineinspielen, denn sie macht deutlich, dass der RN bei vielen Franzosen als Gefahr wahrgenommen wird. Die Wahl wird auch davon abhängen, ob die Mitte-links-Kräfte sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können oder ob die zersplitterte Opposition dem RN den Weg ebnet.

Die Macht des Fußballs in der Gesellschaft

Die Debatte zeigt einmal mehr, dass Fußball und Politik in Frankreich eng verwoben sind. Der Fußball wird oft als Spiegel der Gesellschaft gesehen: Multikulturell, leidenschaftlich und politisch aufgeladen. Spieler wie Mbappé, die aus Einwandererfamilien stammen, sind Symbole für Integration und Erfolg. Wenn sie sich gegen rechtsradikale Kräfte stellen, hat das eine starke symbolische Kraft. Andererseits nutzen Politiker den Fußball gerne für ihre Zwecke – so posierte Marine Le Pen bereits mit Trikots der französischen Nationalmannschaft, um patriotische Gefühle zu wecken. Die Instrumentalisierung des Sports durch die Politik ist keine neue Erscheinung, aber sie gewinnt in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung an Bedeutung.

Kylian Mbappés Einlassungen sind Teil eines größeren Trends: Immer mehr Sportstars nehmen politisch Stellung, von Colin Kaepernick in den USA bis zu Marcus Rashford in England. Sie nutzen ihre Reichweite, um auf Missstände hinzuweisen. In Frankreich könnte dieser Trend die Präsidentschaftswahl beeinflussen, vor allem wenn es um junge Wähler geht, die sich eher von Influencern als von klassischen Medien leiten lassen. Die RN-Spitze hat dies erkannt und reagiert entsprechend: Statt inhaltlicher Auseinandersetzung setzen sie auf Häme und versuchen, Mbappé als arrogant und realitätsfern darzustellen. Ob diese Taktik aufgeht, wird sich erst am Wahlabend zeigen.

Bis dahin bleibt die Frage, ob Sportler sich politisch äußern sollten. Für viele sind sie Vorbilder, deren Meinung zählt. Für andere sollten sie beim Sport bleiben. Klar ist, dass Kylian Mbappé sich nicht scheut, seine Stimme zu erheben – auch wenn er dafür Kritik einstecken muss. Seine Warnung vor einem rechten Präsidenten ist ein Appell an die Vernunft und an die Werte der französischen Republik: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ob die Wähler darauf hören, ist eine andere Frage. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Mbappés Wort mehr wiegt als die zynischen Sprüche der rechten Parteispitze.


Source: DIE WELT News


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