Geschichte wird von Führern geschrieben – und selten machen sie ihre Sache gut. Während sich die Welt auf ein neues Machtzentrum zubewegt, treffen sich heute in Peking zwei Männer, die dieses Zentrum verkörpern: Wladimir Putin und Xi Jinping. Ihr Treffen ist mehr als ein diplomatisches Ritual; es ist eine Demonstration der Stärke in einer Zeit, in der die USA unter Donald Trump schwanken und Europa mit internen Krisen kämpft.
In einem bemerkenswerten Schritt empfängt Xi Jinping den russischen Präsidenten kaum zwei Tage nach der Abreise von US-Präsident Trump aus Peking. Die Botschaft ist klar: China setzt auf eine partnerschaftliche Achse mit Russland, nicht auf die transatlantische Freundschaft. Russland hat hohe Erwartungen an den Besuch, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow betont: Es gehe um den „Ausbau der privilegierten strategischen Partnerschaft beider Länder“. Angesichts von Putins Krieg in der Ukraine und früheren Militärinterventionen in Syrien und Tschetschenien sind die Worte voller Symbolkraft.
Die Gewichte der Weltpolitik verschieben sich dramatisch. Vor einem Jahrzehnt buhlten chinesische Parteibosse noch um die Freundschaft der Europäer. Heute legt Xi keinen großen Wert mehr auf den Austausch mit EU-Ländern. Stattdessen lässt er sich von Trump und Putin hofieren, die beide in Bedrängnis stecken. Trump zuliebe soll Xi die Iraner dazu bringen, die Straße von Hormus freizugeben und auf Atomwaffen zu verzichten – ein heikler Auftrag, der den US-Präsidenten in eine Abhängigkeit von Peking bringt.
Die Autokraten-Achse: Putins Bitte um Chips, Xins Machtdemonstration
Putin wiederum kann seinen barbarischen Krieg in der Ukraine nicht ohne chinesische Technologie führen. Der Kreml braucht dringend Computerchips für Drohnen und Raketen, mit denen ukrainische Zivilisten terrorisiert werden. Die Chinesen werden sie wohl liefern und sich reich dafür entlohnen lassen – so wie sie es seit Jahren tun. Für Peking sei Russlands Kriegszug eine „einmalige Gelegenheit, das Nachbarland nach Strich und Faden auszunehmen“, wie ein Handelsexperte in China sagte. Die USA und Europa stehen machtlos daneben.
Währenddessen kuscht Trump. Der US-Präsident, der sich selbst als „Dealmaker“ inszeniert, hat in Peking keine klare Linie gezeigt. Xi verklickerte ihm knallhart, dass er sich aus Taiwan raushalten solle – sonst werde es böse enden. Jeder andere US-Präsident hätte diese Drohung gegen den demokratischen Inselstaat hart zurückgewiesen. Trump kuschte. Er ist ein Kaiser ohne Kleider.
Nicht nur die Außenpolitik steht unter Druck. Auch in Deutschland wachsen die Sorgen um die innere Stabilität. Die Alternative für Deutschland (AfD) steht in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent in den Umfragen und will im Fall eines Wahlsiegs die Schulpflicht abschaffen, aus der EU austreten und den Euro ersetzen. „Einfach mal machen lassen“ ist keine Lösung, denn was, wenn die AfD an die Regierung gelangt und Demokratie und Rechtsstaat aushöhlt? Die Partei hat bereits ein Netzwerk namens „Schwarz-Rot-Gold-Akademie“ aufgebaut, das gezielt Juristen aus rechtsgerichteten Burschenschaften rekrutiert – darunter Aktivisten aus der Akademie des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda. Der Plan: 150 bis 200 Schlüsselposten in der Landesverwaltung besetzen und das Bundesland unter Kontrolle bringen.
Grönland im Visier: Trumps imperialer Traum
Nicht nur im Osten, auch im Norden brodelt es. Jeff Landry, republikanischer Gouverneur von Louisiana und von Trump zum Sondergesandten für Grönland ernannt, ist in Nuuk eingetroffen. Seine Mission: „Beziehungen aufbauen, zuhören, lernen.“ Doch die Vorgeschichte zeigt, dass es um weit mehr geht. Trump hat wiederholt seine Fantasie bekundet, Grönland zu einem Teil der USA zu machen. Landry selbst sprach von der „Ehre“, Trump bei dieser Aufgabe zu dienen. Die Visite erfolgt ohne offizielle Einladung und sorgt für erhöhte Wachsamkeit auf der Insel. Zwar haben sich die USA, Dänemark und Grönland auf Gespräche zur Entschärfung des Konflikts geeinigt, doch Ergebnisse sind bislang nicht bekannt. Trumps imperialer Traum lebt weiter.
Während internationale Konflikte die Schlagzeilen dominieren, kämpft Deutschland mit einem leisen, aber existentiellen Problem: dem Zustand seiner Wälder. Fast ein Drittel der Landfläche ist von Wald bedeckt, der als Kohlenstoffspeicher, Holzlieferant und Erholungsort dient. Doch die Waldzustandserhebung 2025, die heute von Landwirtschaftsminister Alois Rainer vorgestellt wird, zeigt alarmierende Zahlen: 80 Prozent der Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen sind krank – vier von fünf Bäumen weisen Schäden auf. Die Trockenjahre 2018–2022 haben tiefe Narben hinterlassen. Zum Vergleich: 1984 war noch fast jeder zweite Baum gesund. Um die Resilienz zu steigern, sind weniger Einschläge in alten Laubwäldern und eine Umwandlung von Nadelforsten in Laubmischwälder nötig. Die Politik ist gefordert, hier nicht den Wald vor lauter Bäumen zu übersehen.
Fazit: Der Westen muss wachsam bleiben
Die Schlagzeilen der letzten Tage zeichnen ein düsteres Bild: Putin und Xi schmieden die autokratische Achse weiter, Trump schwächelt, die AfD rüstet sich zur Machtübernahme, und der Klimawandel setzt der Natur zu. Doch es gibt auch Lichtblicke: In den Umfragen liegt die Union hinter der AfD, aber demokratische Politiker wie Mark Rutte und Keir Starmer halten an Kompromissen fest. Die Demokratie ist nicht perfekt, aber sie bleibt die beste Regierungsform – wenn wir sie verteidigen. Der Appell der Chefredaktion ist klar: Mehr Elan, mehr Mut und mehr Kompromissbereitschaft bei den demokratischen Kräften. Denn die Geschichte wird von Führern geschrieben, aber wir alle sind ihre Leser.
Wir wünschen Ihnen einen energiegeladenen Tag.
Source: MSN News