BIP Denver

collapse
Home / Daily News Analysis / Tucker Carlson entschuldigt sich für Trump-Unterstützung: „Menschen in die Irre geführt“

Tucker Carlson entschuldigt sich für Trump-Unterstützung: „Menschen in die Irre geführt“

May 29, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Tucker Carlson entschuldigt sich für Trump-Unterstützung: „Menschen in die Irre geführt“

Der frühere Fox-News-Moderator Tucker Carlson hat sich am Montag in einer Folge seines Podcasts „The Tucker Carlson Show“ für seine Unterstützung von US-Präsident Donald Trump entschuldigt. Er werde von seiner Rolle bei Trumps Rückkehr ins Weiße Haus „lange gequält“ werden, sagte Carlson im Gespräch mit seinem Bruder Buckley Carlson, einem ehemaligen Redenschreiber Trumps.

„Ich möchte mich dafür entschuldigen, Menschen in die Irre geführt zu haben. Es war nicht beabsichtigt, mehr sage ich dazu nicht“, zitiert die New York Times Carlson. Es reiche nicht zu sagen, man habe seine Meinung geändert, so Carlson weiter; es sei „ein Moment, mit dem eigenen Gewissen zu ringen“.

Streit um den Iran-Krieg

Hintergrund des Bruchs ist der Krieg, den die USA und Israel Ende Februar gegen den Iran begonnen haben. Carlson, der dem Guardian zufolge fünf Tage vor der Wahl 2024 noch bei einer Trump-Kampagnenveranstaltung in Arizona auftrat, bezeichnet Trumps Rhetorik zum Iran als „auf jeder Ebene widerwärtig“. Besonders empört habe ihn laut New York Times eine Drohung Trumps am Ostersonntag auf Truth Social, der Iran werde „in der Hölle leben“, wenn er die Straße von Hormuz nicht öffne.

Carlson räumte gegenüber seinem Bruder ein, mitverantwortlich zu sein: „Du und ich und alle anderen, die ihn unterstützt haben – du hast Reden für ihn geschrieben, ich habe für ihn Wahlkampf gemacht – wir sind darin verwickelt“, zitiert ihn der Guardian.

Trump kontert mit Schmähungen

Trump griff Carlson und andere konservative Kriegskritiker vor zwei Wochen in einem Truth-Social-Beitrag als „Narren“ an und empfahl Carlson, „einen guten Psychiater“ aufzusuchen. Am vergangenen Freitag legte Trump nach und nannte Carlson eine „Person mit niedrigem IQ“, die „immer leicht zu schlagen“ sei.

Laut dem Medienportal TheWrap erklärte Trump zudem, Carlson habe „seinen Weg verloren“. MAGA stehe für „America first“, Carlson sei „nichts davon“. Die Trump-nahe Aktivistin Laura Loomer warf Carlson am Montag in sozialen Medien vor, das Land „den Demokraten ausliefern“ zu wollen, wie die New York Times berichtet.

Medienstar des Trump-Universums

Carlson war über Jahre eines der bekanntesten Gesichter von Fox News. Als Schlüsselfigur des rechtskonservativen Medienbetriebs in den USA stand der Moderator für einen Stil der scharfen politischen Zuspitzung, mit dem der Sender sein trumpnahes Publikum band. Carlsons abrupte Trennung von Fox News im April 2023 war ein Einschnitt in einem Medienmilieu, das lange als geschlossen und publizistisch schlagkräftig galt.

Der Bruch fiel in eine Phase, in der Fox News durch den milliardenschweren Streit um Falschbehauptungen zur US-Wahl massiv unter Druck geraten war. Im Umfeld des 787,5-Millionen-Dollar-Vergleichs mit dem US-Wahltechnik-Unternehmen Dominion Voting Systems wurden interne Nachrichten öffentlich, die die Diskrepanz zwischen öffentlicher Trump-Nähe und internen Bewertungen offenlegten. Carlson wurde so auch zur Symbolfigur eines Systems, in dem politische Loyalität, wirtschaftliche Interessen und mediale Mobilisierung eng verzahnt sind.

Carlson hatte sich laut New York Times 2024 mit Trump arrangiert und unterstützte unter anderem JD Vance als Vizekandidaten. Seine späte Abkehr kommt für viele Beobachter überraschend – und wirft ein Schlaglicht auf die zunehmenden Spannungen innerhalb der MAGA-Bewegung angesichts des Iran-Kriegs. Während Trump weiter auf Konfrontation setzt, formiert sich in den eigenen Reihen Widerstand gegen eine militärische Eskalation im Nahen Osten.

Carlson selbst hat nach seiner Fox-Entlassung eine neue Plattform gefunden: Sein Podcast zählt zu den meistgehörten im konservativen Spektrum und erreicht regelmäßig Millionen Hörer. Die Entschuldigung könnte daher weitreichende Folgen haben – nicht nur für sein Verhältnis zu Trump, sondern auch für die Stimmung unter den Anhängern des Ex-Präsidenten.

Der Iran-Krieg, der nach wochenlangen gegenseitigen Drohungen und einer Blockade der Straße von Hormuz eskalierte, hat die politische Landschaft in den USA tief gespalten. Während Trump und seine Verbündeten die Offensive als notwendigen Schutz der nationalen Sicherheit rechtfertigen, mehren sich kritische Stimmen selbst aus dem konservativen Lager. Carlsons öffentliches Eingeständnis könnte weitere prominente Persönlichkeiten ermutigen, sich von Trumps Kurs zu distanzieren – oder aber die Gräben innerhalb der MAGA-Bewegung endgültig zu vertiefen.

Bereits vor seiner Entschuldigung hatte Carlson in seiner Sendung mehrfach Zweifel an der Iran-Politik der Regierung geäußert. Anders als während seiner Fox-Zeit, wo er oft harte anti-iranische Töne anschlug – etwa bei der Tötung des Generals Qassem Soleimani 2020 –, plädiert er nun für Verhandlungen und wirft Trump vor, das Land ohne Plan in einen Krieg zu stürzen.

Die Kritik aus Trumps Lager ließ nicht lange auf sich warten. Neben Laura Loomer griffen zahlreiche Online-Aktivisten und Influencer Carlson als Verräter an. Auf Truth Social trendeten Hashtags wie TuckerTraitor, während auf der Plattform X ehemalige Verbündete Carlsons seine Entschuldigung als „Heuchelei“ bezeichneten. Manche warfen ihm vor, aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen zu handeln – Spekulationen, die Carlson in seiner Sendung nicht kommentierte.

Unabhängig von den Motiven zeigt die Episode, wie dynamisch die politischen Fronten in den USA bleiben. Was vor Monaten noch undenkbar schien – ein öffentlicher Bruch zwischen Trump und einem seiner mächtigsten medialen Unterstützer – ist heute Realität. Und während der Iran-Konflikt weiter tobt, dürften die Wunden innerhalb der konservativen Bewegung noch lange nicht verheilt sein.

Tucker Carlsons Entschuldigung markiert einen Wendepunkt: Sie bestätigt, dass die Loyalität zu Trump unter den konservativen Intellektuellen und Meinungsführern bröckelt. Ob diese Entwicklung den Krieg beeinflussen oder gar beenden kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass Carlsons Wort in konservativen Kreisen noch immer schwer wiegt – und dass seine Abkehr von Trump den Druck auf den Präsidenten erhöhen könnte, seine Kriegsrhetorik zu überdenken.

In den kommenden Tagen werden weitere Reaktionen aus dem Trump-Lager erwartet. Insider berichten von einer geplanten Kampagne gegen Carlson, die ihn als „unpatriotisch“ und „schwach“ brandmarken soll. Gleichzeitig gibt es Berichte über konservative Intellektuelle, die Carlson privat ihre Unterstützung zugesichert haben. Ein Insider beschrieb die Stimmung als „entweder du bist für Trump und den Krieg, oder du bist gegen beides – Zwischentöne sind nicht erlaubt“.

Die Medienlandschaft beobachtet die Entwicklung mit Spannung. Sollte Carlson tatsächlich eine Kehrtwende vollziehen und sich dauerhaft von Trump distanzieren, könnte dies die Dynamik der nächsten Wahl 2028 nachhaltig verändern. Viele sehen in ihm einen potenziellen Brückenbauer zwischen gemäßigten Konservativen und Trump-kritischen Republikanern – eine Position, die er mit seiner Entschuldigung zumindest angedeutet hat.

Ob Carlson diese Rolle annehmen wird, ist offen. Seine bisherige Karriere war von Wendungen geprägt: Vom moderaten Kommentator bei CNN zum Hardliner bei Fox News und nun zum Trump-Kritiker. Sein Bruder Buckley, der selbst zu den frühen Trump-Unterstützern zählte, zeigte sich in der Podcast-Folge nachdenklich. Gemeinsam beklagten sie, dass politische Loyalität oft über ethische Bedenken gestellt werde – und dass der Iran-Krieg für sie den Punkt markiert habe, an dem diese Spannung nicht mehr auszuhalten war.

Der Krieg selbst hat bereits Tausende Opfer gefordert und die globale Ölversorgung bedroht. Die USA und Israel stehen unter internationalem Druck, die Kampfhandlungen einzustellen. Trumps jüngste Drohung, den Iran „in der Hölle leben“ zu lassen, wurde von vielen Regierungen als gefährliche Eskalation verurteilt. In diesem Kontext gewinnt Carlsons Abkehr eine zusätzliche Dimension: Sie zeigt, dass selbst ehemals treue Unterstützer des Präsidenten die rote Linie überschritten sehen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Carlsons Entschuldigung eine einmalige Episode bleibt oder den Auftakt einer breiteren Abkehrbewegung bildet. Eines ist jedoch sicher: Die politische Landschaft der USA ist in Bewegung geraten, und Tucker Carlson hat den ersten Stein ins Rollen gebracht.


Source: Berliner Zeitung News


Share:

Your experience on this site will be improved by allowing cookies Cookie Policy