Hollywood bereitet sich auf ein außergewöhnliches Western-Spektakel vor: Regisseur Brady Corbet, der mit seinem vielbeachteten Drama „Der Brutalist“ bei den Oscars 2025 abräumte, plant als nächstes Projekt ein rund vierstündiges Epos für die große Leinwand. Der noch unbetitelte Film, der möglicherweise „The Origin Of The World“ heißen soll, spielt über einen Zeitraum von etwa 150 Jahren und legt seinen Schwerpunkt auf die 1970er-Jahre. Mit einem prominenten Cast – Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett (57), Michael Fassbender (49) und Popstar Selena Gomez (33) – verspricht das Mammutprojekt, die Grenzen des Genres neu zu definieren.
Brady Corbet hat sich in den letzten Jahren als einer der ambitioniertesten Filmemacher Hollywoods etabliert. Sein Film „Der Brutalist“ – ein episches Drama über einen Architekten, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn in die USA emigriert – brachte ihm nicht nur Oscars für die beste Regie und den besten Film ein, sondern auch Anerkennung für seine Fähigkeit, große historische Themen mit intimen Charakterstudien zu verbinden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mona Fastvold, die an vielen seiner Projekte als Co-Autorin beteiligt ist, entwickelt Corbet nun einen Western, der sich erneut mit dem Thema Migration auseinandersetzen wird – ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch seine Arbeiten zieht. Von „The Childhood of a Leader“ über „Vox Lux“ bis hin zu „Der Brutalist“ hat Corbet immer wieder die Frage nach Heimat, Identität und der Suche nach einem besseren Leben gestellt.
Die Ankündigung eines vierstündigen Westerns mag manche überraschen, doch in einer Zeit, in der Streaming-Dienste Serien in Episodenformate pressen, setzt Corbet auf das Kinoerlebnis pur. Lange Laufzeiten sind in der Filmgeschichte nichts Ungewöhnliches: Werke wie „Der Pate II“ (200 Minuten), „Once Upon a Time in America“ (229 Minuten) oder „Django Unchained“ (165 Minuten) zeigten, dass epische Erzählungen Zeit brauchen. Corbets Western könnte mit etwa 240 Minuten sogar diese Klassiker übertreffen. Die Handlung soll sich über eineinhalb Jahrhunderte erstrecken – ein ambitionierter Rahmen, der Raum für mehrere Generationen und Perspektiven bietet.
Konkrete Details zur Handlung oder zu den Figuren von Blanchett, Fassbender und Gomez werden noch streng geheim gehalten. Sicher scheint nur: Der Film ist für eine erwachsene Zielgruppe geplant. Brancheninsider spekulieren, dass der Titel „The Origin Of The World“ auf eine mythische oder philosophische Ebene hinweist – vielleicht eine Reflexion über die Entstehung der modernen amerikanischen Gesellschaft im Spiegel des Wilden Westens. Migration wäre dabei der Katalysator: Die 150 Jahre könnten die Ankunft von Siedlern, den Goldrausch, die Industrialisierung und die Bürgerrechtsbewegung der 1970er umfassen, in der die USA mit ihren eigenen Dämonen rangen.
Für Cate Blanchett ist der Western ein weiteres Kapitel in einer Karriere, die sowohl große Studiofilme („Herr der Ringe“, „Thor: Ragnarök“) als auch ambitionierte Autorenprojekte („Carol“, „Tár“) umfasst. Die zweifache Oscar-Preisträgerin ist bekannt für ihre Wandlungsfähigkeit und ihre Bereitschaft, sich riskanten Stoffen zu widmen. Bereits 2017 stand sie gemeinsam mit Michael Fassbender für Terrence Malicks „Song to Song“ vor der Kamera, ein experimentelles Drama über das Musikbusiness in Austin. 2025 waren beide auch in Steven Soderberghs Spionagethriller „Black Bag – Doppeltes Spiel“ zu sehen – ein Zeichen ihrer guten Zusammenarbeit. Fassbender, der für seine Rolle in „12 Years a Slave“ oscarnominiert war und mit der „X-Men“-Reihe und „Assassin’s Creed“ ein breites Publikum erreichte, verleiht dem Projekt zusätzliche Tiefe.
Selena Gomez, vor allem als Popstar und Star der Serie „Only Murders in the Building“ bekannt, feierte kürzlich ihr Regiedebüt mit dem Film „I Am Not a Monster“, der bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere hatte. Die 33-Jährige hat sich in den letzten Jahren verstärkt der Schauspielerei zugewandt und mit Filmen wie „The Dead Don't Die“ und „Spring Breakers“ ihr Talent unter Beweis gestellt. Dass sie nun in einem epischen Western von Brady Corbet mitspielt, zeigt ihren Willen, sich künstlerisch weiterzuentwickeln.
Während Fans auf den Kinostart des Westerns warten müssen – ein genaues Datum steht noch nicht fest –, können sie sich mit einem anderen Werk aus Corbets Dunstkreis trösten: „The Testament of Ann Lee“. Mona Fastvold, die Ehefrau des Regisseurs, inszenierte dieses Historien-Musical über die Gründerin der Shaker-Bewegung. Der Film, der bereits auf Festivals gefeiert wurde, ist ab sofort bei Disney+ zu sehen. Er zeigt, wie eng Corbets und Fastvolds kreative Zusammenarbeit ist: Beide teilen ein Interesse an historisch-politischen Stoffen, die sie mit musikalischen oder visuellen Experimenten verbinden.
Die Ankündigung von Corbets Western wirft auch ein Licht auf den aktuellen Trend zu epischen Längen im Kino. Nach dem Erfolg von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (180 Minuten) und Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon“ (206 Minuten) scheinen Studiobosse wieder bereit zu sein, ambitionierte Langfilme zu finanzieren. Corbet selbst betonte in Interviews, dass Laufzeiten kein Selbstzweck seien, sondern der Erzählung dienen müssten. Sein neuer Western werde „jede Minute brauchen“, um die Komplexität des Themas Migration zu entfalten.
Das Thema Migration ist in Corbets Oeuvre allgegenwärtig. In „Der Brutalist“ zeigte er die Entwurzelung eines ungarischen Architekten, der in Amerika ein neues Leben aufbaut, aber nie ganz ankommt. Im Western, so vermuten Filmkritiker, könnte er die Frontier-Mythologie nutzen, um die Gewalt und Verdrängung zu thematisieren, die mit der Westexpansion einherging. Die 1970er-Jahre als Schwerpunktzeit erlauben es, die Gegenwart zu spiegeln: Der Kampf um Land, Ressourcen und kulturelle Identität ist bis heute aktuell. Cate Blanchetts Figur könnte eine Siedlerin oder eine indigene Anführerin sein, Selena Gomez vielleicht eine junge Mexikanerin, die die Grenze überquert – Spekulationen sind erlaubt, solange keine offiziellen Details bekannt sind.
Michael Fassbenders Beteiligung verstärkt das dramaturgische Potenzial. Der Schauspieler, der kürzlich in „The Killer“ von David Fincher überzeugte, ist für seine intensiven, oft düsteren Rollen bekannt. Gemeinsam mit Blanchett – die in „Tár“ eine mitreißende, aber auch abgründige Dirigentin spielte – verspricht er ein spannendes Charakterensemble. Selena Gomez bringt eine jugendliche, moderne Note in den Cast, die das Spektrum erweitert.
Die Produktion des Westerns wird voraussichtlich mehrere Monate dauern, mit Dreharbeiten an Originalschauplätzen im Südwesten der USA. Budgetdetails sind noch nicht durchgesickert, aber angesichts des Stars, der Laufzeit und der aufwendigen Ausstattung ist mit einer Summe im dreistelligen Millionenbereich zu rechnen. Corbet plant, den Film im IMAX-Format zu drehen, um die Weite der Landschaft einzufangen.
Bis dahin bleibt die Filmbranche gespannt. Ein vierstündiger Western – das ist ein Statement in einer Ära der kurzen Aufmerksamkeitsspannen. Ob das Publikum bereit ist, sich vier Stunden in die Prärie zu stürzen, wird die Zukunft zeigen. Doch wenn einer das Zeug dazu hat, aus einem Genre-Klassiker etwas Neues zu formen, dann Brady Corbet. Sein neuester Wurf könnte nicht nur ein Film, sondern ein Ereignis werden.
Source: Promiflash.de News