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«Wegbereiterin. Ikone. Inspiration.» US-Superstar Megan Rapinoe wird mit viel Pathos verabschiedet

May 30, 2026  Twila Rosenbaum  2 views
«Wegbereiterin. Ikone. Inspiration.»
    
    US-Superstar Megan Rapinoe wird mit viel Pathos verabschiedet

Mit Tränen in den Augen und einem Lächeln auf den Lippen verabschiedete sich Megan Rapinoe am vergangenen Wochenende von der internationalen Fussballbühne. Die 38-jährige US-Amerikanerin wurde in einem emotionalen Rahmen als „Wegbereiterin, Ikone und Inspiration“ gefeiert. Der Abschied der zweifachen Weltmeisterin und Olympiasiegerin markiert das Ende einer Ära im Frauenfussball.

Ein Abschied voller Pathos

Die Zeremonie im Stadion von Chicago war von grossen Emotionen geprägt. Unter dem Applaus von 45.000 Fans zog Rapinoe noch einmal das Trikot der US-Nationalmannschaft an. Ihre Teamkolleginnen bildeten ein Spalier, während der Stadionsprecher ihre herausragenden Leistungen würdigte. „Megan hat den Fussball verändert – nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits davon“, sagte eine sichtlich gerührte Alex Morgan. Der Verband ehrte sie mit einer Videobotschaft von Präsident Joe Biden, der ihre Verdienste um Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit hervorhob.

Eine Karriere der Superlative

Rapinoes sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: Mit der US-Nationalmannschaft gewann sie zweimal die Weltmeisterschaft (2015 und 2019) und holte 2012 olympisches Gold. Auf Vereinsebene war sie unter anderem für den OL Reign in der NWSL aktiv und gewann 2021 den NWSL Shield. Individuell wurde sie 2019 mit dem Goldenen Ball als beste Spielerin der WM ausgezeichnet und erhielt 2020 den Ballon d'Or Féminin. Ihre Torgefährlichkeit – insbesondere bei Standardsituationen – und ihr unnachahmlicher Stil machten sie zu einer der gefürchtetsten Angreiferinnen der Welt.

Doch Rapinoe war mehr als nur eine Fussballerin. Sie wurde zur Stimme einer ganzen Generation. Schon früh outete sie sich als homosexuell und setzte sich offensiv für LGBT-Rechte ein. 2016 begann sie, beim Abspielen der Nationalhymne zu knien – in Anlehnung an Colin Kaepernick, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. Diese Geste brachte ihr sowohl Bewunderung als auch heftige Kritik ein. „Ich werde mich nie für das entschuldigen, was ich glaube“, sagte sie damals in einem Interview.

Der Kampf für gleiche Bezahlung

Ihr Engagement für Gleichberechtigung erreichte seinen Höhepunkt im Rechtsstreit des US-Teams um gleiche Bezahlung. Rapinoe gehörte zu den Klägerinnen, die dem US-Fussballverband vorwarfen, Frauen systematisch schlechter zu entlohnen als Männer. Im Februar 2022 einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich in Höhe von 24 Millionen Dollar. Zudem verpflichtete sich der Verband, die Prämien für Männer- und Frauenteams anzugleichen. „Das war nie nur für uns – das war für jede Frau, die jemals das Gefühl hatte, weniger wert zu sein“, erklärte Rapinoe damals.

Ein Vermächtnis jenseits des Platzes

Neben ihrer sportlichen und politischen Karriere machte Rapinoe auch abseits des Rasens von sich reden. Sie modelte für Modemarken, war auf dem Cover der „Sports Illustrated“ und brachte eine eigene Kollektion mit Nike heraus. 2022 heiratete sie ihre langjährige Partnerin, die Basketballspielerin Sue Bird. Das Paar gilt als eines der einflussreichsten im US-Sport. Rapinoe nutzte ihre Reichweite stets, um auf Missstände aufmerksam zu machen – sei es bei Wohltätigkeitsveranstaltungen oder in sozialen Medien.

Ihre letzten Spiele im Nationaltrikot waren von Wehmut geprägt. Am 21. September 2023 bestritt sie gegen Südafrika ihr vorletztes Länderspiel und bereitete dabei zwei Tore vor. Das letzte Spiel gegen dieselbe Gegnerin drei Tage später endete 2:0 – Rapinoe wurde in der 83. Minute ausgewechselt, um die stehenden Ovationen des Publikums entgegenzunehmen. „Das ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang“, sagte sie nach dem Spiel. „Ich werde immer Teil dieser Mannschaft sein, aber jetzt ist es Zeit, anderen den Vortritt zu lassen.“

Reaktionen aus der Fussballwelt

Die internationale Fussballgemeinde würdigte Rapinoes Karriere mit bewegenden Botschaften. Die deutsche Nationalspielerin Lena Oberdorf nannte sie „eine Legende, die den Weg für alle geebnet hat“. Der englische Verband twitterte: „Danke, Megan – für alles, was du für den Fussball getan hast.“ Sogar Lionel Messi äusserte sich in einem Interview respektvoll: „Sie hat den Frauenfussball auf ein neues Level gehoben.“ Dass Rapinoe auch polarisierte, zeigt die Kritik von konservativen US-Medien, die ihr vorwarfen, den Sport zu politisieren. Doch die breite Mehrheit der Fans und Kollegen feierte sie als Vorkämpferin.

Blick in die Zukunft

Was kommt nach dem Fussball? Rapinoe kündigte an, sich künftig verstärkt sozialen Projekten widmen zu wollen. Sie plant, eine Stiftung für benachteiligte Kinder zu gründen und sich im Umweltschutz zu engagieren. „Der Fussball hat mir eine Plattform gegeben – jetzt muss ich sie nutzen, um etwas zurückzugeben“, erklärte sie in ihrer Abschiedsrede. Zudem wird sie als TV-Expertin arbeiten und hat bereits einen Podcast angekündigt.

Ihr Abschied markiert nicht nur das Ende einer individuellen Karriere, sondern auch einen Wendepunkt im Frauenfussball. Rapinoe gehörte zu einer Generation von Spielerinnen, die aus einer Randsportart ein globales Phänomen machten. Die Zuschauerzahlen bei der letzten WM in Australien und Neuseeland erreichten Rekordhöhen, die Preisgelder stiegen massiv – auch dank ihres unermüdlichen Einsatzes. „Sie hat uns allen gezeigt, dass man sowohl eine Weltklasse-Fussballerin als auch eine Aktivistin sein kann“, brachte es ihre langjährige Mitspielerin Carli Lloyd auf den Punkt.

Die Trikots mit der Nummer 15 werden in den USA noch lange getragen werden. Megan Rapinoe hat den Fussball nicht nur gespielt, sondern ihn neu definiert. Ihr Vermächtnis wird weiterleben – in den Toren, die sie schoss, in den Kämpfen, die sie führte, und in den Herzen all derer, die sie inspiriert hat. Der Vorhang fällt für eine grosse Künstlerin des Sports, aber der Applaus hallt noch lange nach.


Source: blue News News


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